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»Kraft der Sprachlosigkeit« - »Feuerschlange« von Philipp Löhle uraufgeführt

07.11.2016 – Am 29.11. war die Uraufführung von Philipp Löhles Feuerschlange am Staatstheater Stuttgart. Regisseur Dominic Friedel hat das Stück mit fünf Schauspielern aus dem Stuttgarter Ensemble und 14 Kindern inszeniert. Der Text setzt sich mit dem fiktiven schwäbischen Waffenhersteller »Lecker & Loch« und Deutschland als drittgrößtem Waffenexporteur auseinander.

»In seiner Mixtur aus mexikanisch-indigener Märchenerzählung, Dokudrama, Gesetzestexten, schwäbischer Comedy und Philippe-Marlowe-Krimiparodie ist Löhle immer darauf bedacht, die Ungeheuerlichkeiten deutscher Verstrickung in Menschenrechtsverletzungen und internationale Kriegshandlungen bis ins Groteske und Absurde zuzuspitzen. Und das hat auch eine Menge Unterhaltungspotential.« (Nachtkritik)

»Mit politischem Tiefgang verfolgt Löhle den Weg eines Gewehrs, in indianischer Sprache "Feuerschlange" genannt, auf einer Zeitreise. Löhles Groteske ist dunkler als das, was man von ihm kennt, aber zeigt eine Entwicklung. Hier bahnt sich die Kraft der Sprachlosigkeit ihren Weg.« (Die deutsche Bühne)

»Feuerschlange bedient sich dokumentarischen Materials, verweigert sich allerdings einer abschließenden Klärung der Verhältnisse. Vielmehr wandelt sich das Thema Waffenherstellung zur Frage nach einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung jenseits von halblegalen Exportverfügungen auf staatlicher Ebene. Was passiert, wenn Kinder im Sprechchor grinsend die Moral verabschieden und polemisch befinden, dass ein einzelner Mensch eh kaum Einfluss auf das Weltgeschehen hat? Braucht es erst ein Theaterstück, das einem in vierzehnfacher Ausführung die Zukunft vor die Nase setzt, um sich bewusst zu werden, dass das kein Infoabend zum Thema Waffen ist, sondern zum Thema Zukunft?« (die tageszeitung)