Am Königsweg

Besetzung variabel

Mit Blindheit geschlagen sind alle in diesem Schau-Spiel: Der von sich selbst geblendete König, der mit Immobilien, Golfplätzen und Casinos ein Vermögen verdient hat (nicht immer ganz legal) und nun das mächtigste Land der Welt regiert. Das Volk, das ihn gewählt hat, blind darauf vertrauend, vom Joch der Arbeitslosigkeit und ­Kreditschulden befreit zu werden. Sogar die Gegner, die blindwütig auf den König einschlagen, seinen Sieg aber nicht verhindern konnten. Der König wird gefeiert als Erlöser, der der Nation hoffentlich Erlöse bringt; eine Kraft wurde entfesselt, die rund um den Globus längst überwunden geglaubte Weltanschauungen zurück in die Gegenwart spült, ­begleitet von Hass, Wut und Gewalt. Der Königsweg erweist sich als Kreuzweg, Holzweg, Scheideweg, an dem bestimmt wird, wie wir in Zukunft leben wollen.

Zwischen Tragödie und Groteske, hohem Ton und Vulgarität (und ohne dass der Name Donald Trump ein einziges Mal im Text fällt) «entwirft Elfriede ­Jelinek das große Bild eines politisch-finanzkapitalistischen Komplexes, der durch und durch marode ist … Die antiken Mythen und Shakespeares Königsdramen sind ihr Referenzraum, mit all den Lears und Kreons und Richards und Ödipussen. Zugleich schrumpft Trump im Schatten dieser urtypischen Despoten womöglich auf ein Maß, das sich – emotio­nal und verstandesgemäß – dann doch irgendwie handhaben lässt … Es geht Jelinek um Wahrhaftigkeit und Hellsicht inmitten eines Diskurses, in dem scheinbar alles gleich wahr oder falsch, also beliebig ist … Am Königsweg fordert Haltung ein und ist eine sehr ernsthafte künstlerische Antwort auf Trump, gerade weil sie nicht eine Selbstgewissheit suggeriert, die sich in moralischer Überlegenheit gefällt.» (Süddeutsche Zeitung)

Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek (*1946, aufgewachsen in Wien) erhielt bereits früh eine umfassende musikalische Ausbildung. 1960 begann sie am Wiener Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren, anschließend, nach dem Abitur 1964, Theaterwissenschaft und...

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U: 28.10.2017 Deutsches Schauspielhaus Hamburg (Regie: Falk Richter)