Der Kuß des Vergessens

Vivarium rot
5D / 5H

"Mit Aristoteles und dem Papst teile ich die Überzeugung, dass das Paar jeder weiteren Gemeinschaft vorgeht. Es ist sogar der einzige Inhalt meines Schreibens, dass das Paar vor dem Staat, der Gesellschaft und jeder sonstigen Ordnung steht." (Botho Strauß) Die Unterhaltung von elf Partygästen über einen eben gesehenen Film bildet den Rahmen des Stücks. Herr Jelke, ein "Pförtner und Hobbyastronom" und die junge Ricarda lernen sich dabei kennen. Zufällig treffen sie sich wieder. Herr Jelke sitzt in einem Warteraum mit Nummernausgabe, da kommt ein hektisches Mädchen herein, das sich bei ihm entschuldigt für das, was sie jetzt tun wird. Sie hat eine Wette einzulösen, muss sich dazu auf einen Sitz stellen, barfuß tanzend "Ave Maria" singen und einem Wildfremden einen Kuss geben. Ricarda küsst Herrn Jelke, und eine achtjährige außereheliche Paarbeziehung nimmt ihren Lauf. Verschiedene Situationen mit Ricarda und Herr Jelke folgen, einzeln, zu zweit, mit einem Dritten, in einer Gruppe. Dazwischen vergeht keine Zeit, nur die Versuchsanordnung ändert sich, man verliert und findet einander, es wird der Wert, das Vertrauen, die Qualität der Beziehung geprüft, um zu dem immer gleichen Ergebnis zu kommen: "unzertrennlich und unvereinbar". Ein richtiger "Vierfüßler" eben, das "auf Erden höchstentwickelte Lebewesen", wie Ricarda sagt.

Botho Strauß

Botho Strauß

geboren 1944 in Naumburg/Saale. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Remscheid und Bad Ems studierte er fünf Semester Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie in Köln und München. 1963 erschien mit Schützenehre in der Anthologie „Prosa Alphabet...

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U: 28.11.1998 Schauspielhaus Zürich (Regie: Matthias Hartmann)