Gute Geständnisse besserer Menschen

Besetzung variabel

Unter der Woche quält sich der Mensch kläglich durch die eigene Existenz, schleicht morgens aus der verrottenden Wohnung ins Büro, ist seinen Mitmenschen eine Zumutung und erträgt sich selbst dabei kaum. Sonntags aber geht er in den Wald, wie alle anderen, in Freizeitkleidung, mit Apfel Thermoskanne, Butterbrot. Denn der Wald ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Ausflugsziel; hier wird der Mensch zur Kreatur, hier fallen die Fassaden, die Natur bricht sich Bahn. Das Wissen um die eigene Erbärmlichkeit, stumm erduldete Demütigungen, Stumpfheit und Ödnis, sie alle zählen nicht mehr, wenn man gemeinsam auf die Jagd geht, wenn der Gegner vor einem steht, wenn Fleisch auf Fleisch trifft, und der erste Knochen bricht.
Gute Geständnisse besserer Menschen steigt hinab in die Abgründe des Alltäglichen. Wie in einem Vexierspiegel erscheinen uns Steinbuchs Durchschnittsmenschen mitleiderregend und monströs zugleich: Ihr Verlangen ist unstillbar, jede ihrer Liebkosungen ein Übergriff. Immer weiter zieht die Schlinge zwischen Sehnsucht, Einsamkeit, Gewalt sich zu – bis im Wald Täter und Opfer, Zärtlichkeit und Brutalität endlich in eins fallen dürfen.

Gerhild Steinbuch

Gerhild Steinbuch

Gerhild Steinbuch, 1983 in Mödling (Österreich) geboren, studierte Szenisches Schreiben in Graz und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", Berlin. Von 1994 bis 1998 war sie Mitglied der Jugendliteraturwerkstatt Graz und...

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