Am Anfang steht ("Wir sind der Chor") die Menge: 15 Frauen und Männer, angetreten zum Gruppenfoto. Unbeholfen dirigiert sie ein Fotograf, aus den Gesprächsfetzen erklingt immer lauter Ärger über sein Benehmen, bis plötzlich von ihm nur noch ein Bündel Kleider übrig ist. Den richtigen Moment der Aufnahme hat er zwar verpasst, doch war er der Einzige, der die Gruppe wenigstens als Gruppe wahrgenommen hatte.

Auch der zweite Akt schildert eine tödliche Beobachtung: Der Architekt Lorenz sieht Delia, seine Auftaggeberin, nackt beim Baden. Verblendet weniger vom Anblick selbst als vom Gespräch mit Delia über den Vorfall, wartet er vergeblich darauf, von ihr als Geliebter erhört zu werden. Bei einer Festivität in ihrem Haus erschießt er sich schließlich vor einem großen Spiegel.
Der dritte Akt spielt in einem Westberliner Restaurant kurz nach dem Fall der Mauer. Zwei Ostdeutsche verirren sich hierher und geben im Stil von TV-Interviews banale Antworten auf einfallslose Fragen. Zudem scheint eine der Anwesenden, Anita von Schastorf, in einer völlig anderen Zeit zu leben: Während die anderen nach draußen stürmen, um das historische Ereignis mitzuerleben, hängt sie alten monarchistischen Traditionen nach ...

Schlußchor ist eine Schule des Sehens und Versehens, durch die leitmotivisch das Wort "Deutschland" hallt und in der sich zeigt, wie Geschichte schon im Augen-Blick ihres Geschehens in Diskurs verwandelt wird.

7D - 8H