Nominiert für den Mülheimer KinderStückePreis: «Geschichten vom Aufstehen» von Thomas Freyer

Thomas Freyer ist mit seinem Kinderstück «Geschichten vom Aufstehen» (6+) für den Mülheimer KinderStückePreis 2024 nominiert, die Uraufführung inszenierte Jan Gehler am tjg. theater junge generation, Dresden.

Szenenfoto "Geschichten vom Aufstehen" (c) Marco Prill
© Marco Prill

«In Zeiten, da die Realität mit rasender Geschwindigkeit alle fiktiven Dystopien längst schon in den Schatten zu stellen scheint, machen uns Thomas Freyers Figuren Mut. Seine Dialoge, die oft etwas Stockendes besitzen und aus knappen Rhythmen bestehen, haben etwas von seelischen Seismographen.»

(Jury-Begründung)

«In Geschichten vom Aufstehen nimmt Thomas Freyer eine kleine Gesellschaft unter die Lupe. Mal mehr, mal weniger zufällig treffen dort die Figuren aufeinander, sei es auf einem Spielplatz, im Kinderzimmer oder im Altersheim. Es sind shortcutartige Szenen, die der Autor zu einem flirrenden Reigen verwebt, in dem jede und jeder – von Alltagsnöten geplagt – mit sich und den anderen zu ringen hat. Ohne es explizit auszuformulieren, leuchten hinter allen diesen Figuren und ihren Geschichten soziale Unterschiede und Schieflagen auf, oder auch einfach nur Unwägbarkeiten, die das Leben so mit sich bringt … In Zeiten, da die Realität mit rasender Geschwindigkeit alle fiktiven Dystopien längst schon in den Schatten zu stellen scheint, machen uns Thomas Freyers Figuren Mut. Seine Dialoge, die oft etwas Stockendes besitzen und aus knappen Rhythmen bestehen, haben etwas von seelischen Seismographen. Auf geradezu zärtliche Weise verwickelt der Autor seine Figuren in Schwierigkeiten. Wie sie aus ihnen wieder herausfinden, wie sie Hemmungen überwinden oder einander unter die Arme greifen, wie sie ihre alltäglichen Abgründe umschiffen und überbrücken und dazu noch eine geradezu tröstliche Komik entfachen, das hat etwas Erleichterndes.» (Theresia Walser in der Jury-Begründung)

«In sich abwechselnden und realistisch wiedergegebenen Szenen durchlebt das Publikum die Alltagsprobleme von Kindern und ihren Familien … Angst, Scham, Neid und Wut – mit diesen Gefühlen sind die kleinen Figuren in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen konfrontiert und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Weglaufen, schreien oder schweigen sind die ersten Reaktionen, die leider meistens nicht zielführend sind. Später, so der Vorschlag im Stück, hilft es zu reden, meistens mit den Eltern oder dem Spielkameraden … Ach ja, und Umarmungen helfen auch. Aus Angst wird Mut, aus Neid manchmal Großzügigkeit, aus dem Schweigen Sprechen … [Das Stück] ist realitätsnah und auf Augenhöhe mit den Kindern. Konflikte werden altersgerecht und mit einer Prise von Humor benannt und dazugehörige Lösungsansätze angedeutet.» (Dresdner Neueste Nachrichten)

Die 49. Mülheimer Theatertage finden statt vom 04. bis 25.05.2024, am 12. und 13.05. wird das Gastspiel von Geschichten vom Aufstehen im Theater an der Ruhr gezeigt. 

FREDERIK 
Bist du immer so?

DANNY 
Wie?

FREDERIK 
Dass du immer alles sagst, was du denkst.

DANNY 
Sonst bringt das ja nix.
Das Denken.

«Geschichten vom Aufstehen»

Geschichten vom Aufstehen

Ein Spielplatz. Rabea streitet sich mit ihrer Freundin Anna. Immer muss sie in deren Geschichten die Rolle des Pferds übernehmen, während Anna die wildesten Abenteuer erleben darf. Ben, der noch in die Kita geht, wird von seinen Großeltern abgeholt. Er soll mit ihnen seinen geliebten Uropa im nahen Pflegeheim besuchen – aber Ben schafft das einfach nicht; dieser Ort, wo nur alte Menschen sind und es komisch riecht, ist ihm nicht geheuer. Danny, Rabeas Zwillingsbruder, staunt, als er zum Spielen mit in die Wohnung von seinem neuen Freund Frederik geht: Frederik hat einen Vulkan, der echten Rauch ausstößt, und sogar sein eigenes Zimmer! Zu Hause bei Danny ist das Geld hingegen knapp, ständig sagen seine beiden Väter, dass sie sparen müssen.

Wie in einem Wimmelbild zeigt Thomas Freyer schlaglichtartig Kinder (und Erwachsene), die aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kommen und alle mit ihren ganz eigenen, mal größeren, mal kleineren Problemen kämpfen. Wie geht das genau: einen Streit beilegen, sich zu etwas überwinden, von dem man weiß, dass man es wirklich tun sollte, ein schwieriges Thema ansprechen oder ein Bedürfnis äußern, ohne jemanden zu verletzen? Der Spielplatz wird zum Mikrokosmos und vor allem zum Gegenbild unserer vielbeschworenen «gespaltenen Gesellschaft», die sich hier als viel solidarischer erweist als angenommen und die anderen beim Aufstehen hilft, wenn sie hingefallen sind.

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