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»Wahnsinn des Krieges« - »Die Farbe des Morgens an der Front« von Mustafa Can erstaufgeführt

22.01.2020 – Am 19. Januar wurde Die Farbe des Morgens an der Front von Mustafa Can in der Übersetzung von Jana Hallberg am Theater Paderborn deutschsprachig erstaufgeführt (Regie: Milena Fischer).

»Nie wird eine Stadt, nie eine Jahreszahl genannt. Es geht nicht um Kurden, Syrer oder Islamisten. Es geht um Frauen. Und die erleben Schreckliches: wie ihre Kameradinnen getötet werden, wie sie selbst mit sadistischer Brutalität töten, wie eine Kämpferin sich selbst tötet, wie ein Gefangener geköpft und sein kleiner Sohn aufgefordert wird, mit dem Kopf Fußball zu spielen. Dazwischen die kleinen Sorgen um Körpergeruch, Fingernägel, Schuhe, Hunger, den Besuch bei Muttern in der Heimat hinter der Front … Dieser Krieg ist geerbt, aber deshalb noch nicht gerecht … Cans Stück ist nicht pazifistisch, es zeigt nur das Dilemma: töten oder getötet werden. Beides ist schlimm.« (Nachtkritik)

»Manchmal geht es schlicht um Sexismus in seiner perversesten Form: Ein vom Krieg verkrüppelter Mann ist immer noch ein Held, während eine verkrüppelte Frau immer nur ein Krüppel bleibt … Der Krieg bleibt namenlos, auch wenn die Geschichte des Werkes und seines Autors Mustafa Can einen kurdischen Hintergrund nahe legt. In der Regie von Milena Fischer zieht sich eher die Idee vom ›Universal Soldier‹ durch die Inszenierung, die auch auf Nordeuropäische Erfahrungswerte setzt … 90 Minuten intensives Kammerspiel, manchmal atemlose Stille im Studio, die Zuschauer sind hoch konzentriert … Ein spannender Abend.« (Neue Westfälische)

»Die weibliche Sicht auf den Krieg macht eine Besonderheit des Stücks aus, die Aktualität eine weitere. Die Soldatinnen erzählen Geschichten vom Töten und Sterben, davon, wie sich Pathos im Hagel von Kugel und Granaten in Luft auflöst und wie auch Frauen abstumpfen und sich irgendwann selbst den Tod wünschen … Die vier Protagonistinnen vollbringen eine schauspielerische Meisterleistung, sie erzählen schockierende Geschichten so eindringlich, dass die Zuhörer an ihren Lippen hängen und das Gehörte nur schwer ertragen können … Die Botschaft vom Wahnsinn des Krieges betrifft aber nicht nur sie, sondern die ganze Welt. Das wird unmissverständlich deutlich.« (Westfälisches Volksblatt)

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