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»Was ist Fakt? Was Fiktion?« - »BOMB« von Maya Arad Yasur uraufgeführt

12.02.2020 – Am 8. Februar wurde BOMB von Maya Arad Yasur in der Übersetzung von Matthias Naumann am Schauspiel Köln uraufgeführt (Regie: Lily Sykes).

»Es ist wie ein Spiel. Einer wirft einen Satz ein, die anderen müssen die Geschichte weiterspinnen. Gelegentlich wird über abstruse Erzähleinfälle diskutiert. So entsteht eine verschlungene Fiktion über mehrere vom Krieg zerstörte Biografien. Wie kann Kunst angemessen Krieg abbilden? Das ist eine Ur-Frage der Kunst und Literatur und die vielstimmige Erzählweise des Theaterstücks ist der Versuch von Autorin Maya Arad Yasur, dieses Problem selbstkritisch mit zu reflektieren … Psychisch zerrüttete Kinder als Kollateralschaden des Krieges, Gewalterfahrungen, die sich bis in die nächste Generation fortsetzen und ein Kunstdiskurs, der nur zynisch sein kann, vor dem Hintergrund dieser Realität – lauter große Themen.« (WDR 5, Scala)

»Als Inspiration diente der Autorin ein realer Vorfall aus dem Jahr 1982: Ein israelischer Pilot weigerte sich damals, ein Schulgebäude im Libanon zu bombardieren. 2013 recherchierte der libanesische Künstler Akram Zaatari diese Geschichte und entwickelte daraus seine Arbeit ›Letter to a Refusing Pilot‹. Yasur lässt nun, unterbrochen und konterkariert durch andere Stimmen, andere Perspektiven, ihren Piloten namens Eatherly drei Einsätze fliegen … Regisseurin Lily Sykes inszeniert das in einem Wechsel aus schnellem, oft emotionalem Erzählen, angedeuteten Szenen und poetischen Bildern … Yasur schreibt lebendig, klar, berührend, stellenweise lustig. Ihre Charaktere sind ambivalent, deren Geschichten komplex verschränkt.« (Nachtkritik)

»Natürlich ist Krieg abgefuckt und zwar jeder. Daher verortet die Autorin auch nichts konkret, was gut ist. Trotzdem: Wäre das bisher Genannte nun alles, was der Text hergibt, wäre er trotz der vielfachen Themen und szenischen Verschränkungen etwas arm an Erkenntnis und Tiefe. Im Text passiert aber noch viel mehr: Die Frage ›Ist das Kunst oder kann das weg?‹ wird auch zur Frage ›Ist das Terror oder kann das bleiben?‹ Sämtliche Figuren haben Schwierigkeiten mit dem Erkennen: Was ist Vorstellung? Was ist Wahrheit? Was ist Fakt? Was Fiktion? Also: Ist die Einheit am Boden Freund oder Feind? … Ist die zu bombardierende Schule ein Terroristennest oder voller Kinder? Diese Unschärfe im Blick ist unglaublich spannend.« (Deutschlandfunk)

»Es ist eine Mischung aus einer Sinfonie und einer Netflix-Serie, die von ganz oben herab auf einzelne Schicksale und einzelne Perspektiven auf Krieg zoomt und gleichzeitig auch eine prototypische Antikriegserzählung ist. Sehr vielstimmig, sehr vielperspektivisch … Eine zynische und tragikomische Erzählung darüber, dass Krieg eine zwanghafte Notwendigkeit im System des Menschen ist, vielleicht auch des kapitalistischen Systems … Dieses Stück fragt auch nach der Aufgabe der Kunst: kann Kunst überhaupt so ein Trauma aufarbeiten? Ist das der Sinn von Kunst?« (Deutschlandfunk Kultur, Fazit)