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»Eine schwarze Komödie - mit Tiefgang ins Bodenlose« – »Schwarzwasser« von Elfriede Jelinek uraufgeführt

13.02.2020 – Am 6. Februar wurde Schwarzwasser von Elfriede Jelinek am Burgtheater (Akademietheater) Wien uraufgeführt (Regie: Robert Borgmann).

»Wann immer Politik und Gesellschaft versagen, ist Elfriede Jelinek mit einem neuen Stück zur Stelle … Der Stoff ist diesmal besonders dankbar. Und die Nobelpreisträgerin war besonders schnell. Stichwort: Ibiza.« (Deutschlandfunk Kultur)

»Jelinek schließt die politische Allmachtsfantasie, die jenseits von Sachlichkeit, Gesetzen oder Moral einen eigenen, attraktiven Entfaltungsraum bewohnt, mit dem antiken Drama Die Bakchen des Euripides kurz … Ein beachtlicher Abend.«  (Der Standard)

»Strache, der namentlich nicht vorkommt im Stück, steht bei ihr für den Typ Politiker, dem nur die eigene Macht heilig ist und der sich als Opfer sieht, wenn seine Machenschaften aufgedeckt werden. Für Jelinek ist so einer der Prototyp des Populisten, wie er in unserer Zeit überall auf der Welt auftaucht. Sie meint also auch Trump oder Orban, wenn sie in ihrem Stück Figuren an der Spitze des Staates vergessen lässt, dass ihnen die Wahrheit und das Volk näher sein sollten als das krampfhafte Festhalten an Positionen und das Befriedigen von Eitelkeiten.« (Neue Zürcher Zeitung)

»Bei Jelinek kommt die kleine Realsatire in großer Verpackung und sardonischer Verbrämung daher, eingewickelt ins Umweltganze: Klimawandel, Rechtspopulismus, die österreichische Schredder-Affäre, der deutsche NSU, der Begriff ›Opfer‹ in seiner kultischen, aber auch heutigen Mehrdeutigkeit – alles drin, verwoben und verknotet in einem ungemütlichen Textflächenteppich … Die Textlawine fließt und ergießt sich, ihr Grundmotiv: die Gewalt als Ursprung, auch von jeder Politik … Schwarzwasser (ist) eine schwarze Komödie – mit Tiefgang ins Bodenlose.« (Süddeutsche Zeitung)

»Elfriede Jelinek berichtet von der Verkürzung, der Karikatur einer rauschhaften Befreiung im gegenwärtigen Populismus, von einer Art Katharsis-Verstopfung, die den Erregten die Bande nicht löst, sondern erstickend um den Hals schlingt. Was könnte Linderung verschaffen? Da bleibt eigentlich nur die psychoanalytische Kur: Wiederholen, Durcharbeiten. Jelinek vollzieht sie nicht am Subjekt, sondern an dem, was sich in der Sprache selbst ereignet. In ihrem kompositorischen Methodenapparat aus Wortfeld-Assoziationen, semantischen Doppelböden, Gleich- und Ähnlichklängen verfangen sich die Sprechakte einer schlechten Wirklichkeit, rekombinieren neue oder verborgene Bedeutungen. Ideologische Setzungen verlieren ihren Spin, in dem sie mit dem noch intakten Regelsystem Sprache kollidieren. Sprachkritik bleibt die letzte Bastion einer Betrachtung dessen, was man einmal die Totalität der gesellschaftlichen Verhältnisse nannte. Was dem rationalen Diskurs zunehmend durch die Finger rinnt, verfängt sich in Jelineks Schwarzwasser im Netz des poetischen Verfahrens.« (taz)

»Jelineks Schwarzwasser ist die Auflehnung einer Einzelnen gegen die doppelte Zumutung, ein solches ›Wir‹ über sich zu haben und andererseits einem Volk anzugehören, mit dem ein paar Entschlossene alles machen können. Regiertwerden ist hier ein Synonym für: hergenommen und missbraucht werden. Und zwar von Leuten, die alles mit allem verkeimen, indem sie alles für verkäuflich erklären und in einen Orgien-Zusammenhang zwingen … Jelinek macht nun ihrerseits, aus Notwehr, das Drama zu einem Orgienschauplatz: Ihre Sprache treibt immerzu Unzucht mit ihren Objekten und letztlich mit sich selbst. Sie zeugt aus jedem Sinnzusammenhang einen Kalauer, jeder Aussage folgt deren Ausradierung, Überschreibung, Verhöhnung auf dem Fuß. Jelinek schreibt mit einem grimmigen Argwohn gegen die deutsche Sprache, in der so viele Verbrechen angeordnet und so viele Lügen formuliert worden sind. Einer solchen Sprache ist nicht zu trauen. Aber was soll man machen: Man hat keine andere. Also besteht Jelineks Verfahren darin, mit dieser verkrusteten, klebrigen Spinnennetzsprache jene Sprecher zu stellen, die anders nicht dingfest zu machen sind … Es sind Sprachspiele im Zeichen der Depression: ein willentliches Sichverhören, ein ständiges Missverstehen – zum Abgrund hin.« (Die Zeit)

»Diese Schwarzwasser-Inszenierung bietet skurrilste Unterhaltung, fordert das Ensemble in höchstem Maße, treibt es zu Spitzenleistungen.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)