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»Ode an die Kunstfreiheit« – Thomas Melles »Ode« uraufgeführt

15.01.2020 – Am 20.12.2019 wurde Ode von Thomas Melle am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt (Regie: Lilja Rupprecht). Das Stück ist für den Mülheimer Dramatikerpreis 2020 nominiert.

»Melle hat mit Ode ein Stück geschrieben, in der die Kunstfreiheit von allen Seiten agitiert wird. Melles Analyse: Die Verbotsattitüde von links spielt den rechten Kräften in die Hände. Er möchte die Kunst herausholen aus der grassierenden Aktualitätshuberei und ihre anarchische, zweckungebundene Natur feiern … Ein Text, in dem keine Charaktere aufeinandertreffen, sondern Prinzipien, die schlaglichtartig gegeneinandergestellt werden. Es ist das mediale Stimmengewirr unserer aufgeregten Gesellschaft, dem Melle seine existenzielle Haltung für die Kunst entgegensetzt.« (Deutschlandfunk Kultur)

»Ode gehört zu den klügsten Theatertexten der Saison – mindestens. Denn es dekliniert das Sujet auf einem Niveau durch, das nicht nur kulturbetriebliche, sondern auch höchste soziologische Diskursfitness und -finesse verrät: ein seltener Glücksfall … Melles Text und Rupprechts Inszenierung geben keine simplen Ratschläge und schon gar keine schlichten Antworten. Vielmehr stellen sie, angemessen komplex, die richtigen Fragen.« (Tagesspiegel)

»Die Feuilleton- und Theaterdebatten der letzten Jahre von Blackfacing über #MeToo bis zu cultural appropriation, aber auch der Kulturkampf mit der AfD und die Frage, ob mit Rechten zu reden überhaupt Sinn hat, das alles schwingt hörbar mit.« (Theater heute)

»Das Gute an Melles Stück über die Möglichkeiten und Grenzen der Kunst im Zeitalter von Identitäts-, Geschlechter- und neuer rechter Politik ist, dass es nicht nur kluge Fragen zur richtigen Zeit stellt. Sondern dass es dabei auch das eigene Metier mit seinen (neuen Spiel- und Denkverboten) infrage stellt. Klare Frontlinien zwischen Theater/Kunst (= gut) und Politik (=böse) sind hier genauso wenig auszumachen wie sich eindeutig feststellen lässt, wer eigentlich diese ›Wehr‹ ist, die hier den Diskurs bestimmt und am Ende das System beherrscht … Ode ist eine Ode an die Kunstfreiheit. An die Leidenschaft, das Uneindeutige, das Spiel.« (Süddeutsche Zeitung)

»Die Stärke des Texts liegt in seiner Freiheit, Anlauf zu nehmen zu battlerap-artigen Passagen, in denen aller Konflikt im Sound geballt ist. In denen in alle Richtungen ausgeteilt wird, an die ›transnationalen Gauleiternazis‹, die ›youtubeverblödeten Neoneunazis‹, an die ›selbstgerechten Dümmlichkeitstwitterer‹, die ›durchfinanzierten Arztsohnsektrinker‹, die ›laberverblödeten Kulturvollzeitstädter‹, und Melle disst sich en passant auch selbst, wenn er die metafiktiven Krankheitsvermarkter in die Liste aufnimmt.« (Nachtkritik)

»Die Kunst in Ode bereitet Kummer und gebiert den endlosen Streit darüber, was sie darf und will und soll – und wozu sie missbraucht wird.« (Neue Zürcher Zeitung)

»Ein wichtiger, kluger Abend, bei dem man im Anschluss gar nicht anders kann, als über seine Aussagen zu diskutieren.« (taz)