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»Intensive Sprachbilder« – »Eriopis« von E.L. Karhu uraufgeführt

10.03.2020 – Am 6. März wurde am Schauspiel Leipzig Eriopis – Medeas überlebende Tochter erzählt alles von E.L. Karhu uraufgeführt (Regie: Anna-Sophie Mahler).

Nach dem Mord von Medea an ihren Söhnen bleibt Eriopis, die in nur einer einzigen Quelle genannte Tochter von Jason und Medea, allein zurück. E.L. Karhu verlagert ihre Geschichte in die Neuzeit, taucht in die tiefe, dunkle Trauer ein, die der Mord an den Brüdern und der Verlust der Mutter hinterlässt, und schildert schonungslos die Verwirrungen des Erwachsenwerdens vor den Augen der Öffentlichkeit.

»Es geht E.L. Karhu um die Produktion von Weiblichkeit, Mitleiden mit sowie das Weiden an einem Opfer, um Kritik an öffentlich produzierter Oberflächlichkeit und spätkapitalistischem Erfolgsmantra … Dass Eriopis nie selbst spricht, sondern von außen befragt und alles über sie erzählt wird, macht eine Medienkritik überdeutlich. Wenn der Vater meint, auch aus dieser Krise gestärkt hervorgegangen zu sein, dann ist das beißender Spott  auf eine Gesellschaft, in der Scheitern, ja, die größte Tragödie noch als Chance begriffen werden muss.« (Die deutsche Bühne)

»Ja, man kann Euripides verändern, allerdings nur wenn man ihm auf Augenhöhe beikommen kann. Und genau das gelingt der Autorin E.L. Karhu und der Regisseurin Anna-Sophie Mahler in dieser singulären Medea-Version … Eine schmerzhafte Psychoanalyse, in der all das Unfassbare, Unerträgliche für ein Kind noch einmal durchlebt werden muss. Die nicht leicht zu realisierende Aufgabe war: Handlung hauptsächlich durch Sprache zu imaginieren. Doch Autorin und Regisseurin verfügen auch über diesen Zauber – mit intensiven Sprachbildern und einem kongenialen Einsatz von Videoprojektionen … Wenn das Theater ein Übungsort für soziale Fantasie sein soll, dann muss hier so groß und kreativ gedacht und agiert werden, wie es in dieser einmaligen Produktion realisiert ist.« (Nachtkritik)

»Am Schauspiel Leipzig entwickelt sich ein wilder Assoziationsreigen aus Text, Musik und Gesang um Gewalt und Zuschreibungen von Weiblichkeit, öffentliches Zur-Schau-Stellen in der Mediengesellschaft, Pubertät und Sexualität. Ließ man sich darauf ein, überwältigte es … Der Abend wirkt wie ein sich drehendes Kaleidoskop, in dem das Licht immer wieder auf andere Glitzersteinchen fällt … Die Überlagerungen der Bedeutungsschichten lassen sich nicht klar trennen. Es geht um Einfühlung, was Mahler in eine lose, aber emotional angehende Bildersammlung übersetzt.« (Kreuzer)