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Wo ist Hanna Silber? – Eine Internetspurensuche von David Gieselmann

04.05.2020 – Die Popsängerin Hanna Silber ist wie vom Erdboden verschluckt. Jemand sucht sie mit Hilfe von Video-Telefonaten. Er befragt Weggefährt*innen, Fans, Musiker*innen, Tänzer*innen, Ex-Freunde, merkwürdige Hipster, Sektenmitglieder und Freundinnen – zwar weiß keiner, wo Hanna ist, aber kaum jemand widersteht der Versuchung, doch eine Idee dazu zu äußern.

Für Hanna Silber hat David Gieselmann 40 Monologe und Szenen geschrieben, die Schauspieler*innen haben zu Hause kurze Videos produziert, die auf der Plattform Vimeo präsentiert werden – so führt die Suche nach Hanna Silber über Deutschland auch nach Paris, Oslo, Tel Aviv, Brüssel oder Reykjavik.

»Gieselmann ist der wohl versierteste deutschsprachige Komödienschreiber der Gegenwart. Komödien werden in Pandemiezeiten freilich nicht aufgeführt, weswegen der Hamburger Dramatiker ein Stück für die Videoplattform Vimeo geschrieben und auch schnell realisiert hat … Die reizvollen Miniaturen – jeweils sechs, sieben Minuten lang – lassen immer neue Bilder und Vexierbilder der Abwesenden entstehen … Praktisch jedes Solostückchen ist ein großes Schauspielvergnügen … Die Kunst rettet David Gieselmann damit natürlich nicht aus der Corona-Krise – aber er erinnert die Theater-Abstinenten daran, was eine kluge Vorlage im Zusammenspiel mit originellem Spiel zu leisten imstande ist.« (Nachtkritik)

»Mit Hanna Silber hat David Gieselmann als einer der ersten ein Theaterstück geschrieben, das in Form, Umsetzung und Inhalt auf die Corona-Krise reagiert … Es spielt im Hier und Jetzt und umreißt nicht zuletzt, anhand einer um die Leerstelle ›Hanna Silber‹ kreisenden Krimi-Handlung, genau dieses. Wir erleben lauter vom Virus Vereinzelte: Fans, Manager, Musiker, Soziologen, Clubbetreiberinnen und Farbberaterinnen, die nun in ihren je eigenen Partikularinteressen schmoren … David Gieselmann und sein Ensemble haben einen Weg gefunden, wenigstens für einige Stunden wieder ganz präsent zu sein.« (Kölner Stadt-Anzeiger)

»Viel zu viele Bühnen meinen, sie könnten nicht mehr tun, als die hauseigenen Mitschnitte fertiger Produktionen ins Netz zu stellen. Wenige Projekte reflektieren auch die Isolation selbst – der Dramatiker David Gieselmann hat jetzt mit Hanna Silber ein Stück vorgelegt, dessen Basis die Vereinzelung ist … Über Gieselmanns starke Texte hinaus wird’s nie langweilig … Der Autor schreibt üblicherweise für die Bühne – wäre auch sie ein Spielort für das Hanna-Silber-Puzzle? Im Moment sicher noch nicht – genau das aber ist das wichtigste Argument für dieses Experiment: dass sich derart verspielt tatsächlich nur im Netz fabulieren lässt.« (Die deutsche Bühne)

»Alles in allem: Die Texte David Gieselmanns … ermöglichen es den Darstellerinnen und Darstellern, schmackhafte Häppchen sehr kreativ zu servieren, in beliebiger Form genießbar.« (Neue Westfälische)