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Rolf Hochhuth ist tot

14.05.2020 – Wir trauern um Rolf Hochhuth, der am 13. Mai 2020 im Alter von 89 Jahren in Berlin gestorben ist.

Rolf Hochhuth zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts, mit sicherem Gespür für brisante Stoffe und Themen. Gleich sein erstes Stück, das „christliche Trauerspiel“ Der Stellvertreter wurde ein Welterfolg. Hochhuth thematisiert darin die Rolle der katholischen Kirche, speziell die von Papst Pius XII., im Zweiten Weltkrieg.

Als rigoroser Moralist und Mahner setzte sich Hochhuth in seinem Werk immer wieder mit aktuellen politisch-sozialen Fragen auseinander; viele seiner Stücke haben hitzige Diskussionen ausgelöst und manchen prominenten Politiker und Kirchenmann das Fürchten gelehrt. Der Stellvertreter war ein Paukenschlag in der Geschichte des westdeutschen Nachkriegstheaters. Nicht nur die West-Berliner Uraufführung am 20. Februar 1963 in der Regie von Erwin Piscator löste die bis dahin heftigste Theaterdebatte der Bundesrepublik Deutschland aus – auch in anderen Ländern kam es zu Tumulten während und nach Aufführungen. Die Inszenierung am New Yorker Broadway wurde 1964 mit einem Tony Award ausgezeichnet. 2002 wurde das Stück von Constantin Costa-Gavras mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle verfilmt.

Hochhuths Stück Soldaten (über den alliierten Bombenkrieg im Zweiten Weltkrieg) löste in England 1967 einen Theaterskandal aus, der letztlich für die Abschaffung der britischen Theaterzensur sorgte. In der Erzählung Eine Liebe in Deutschland fiel das legendär gewordene Wort vom „furchtbaren Juristen“ über den damaligen baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten Hans Filbinger und dessen Rolle als Marinestabsrichter im Dritten Reich, was schließlich zu Filbingers Rücktritt führte. Und auch über Werke wie Juristen, Die Hebamme, Wessis in Weimar oder McKinsey kommt wurde in der Öffentlichkeit leidenschaftlich gestritten.

„Rolf Hochhuth ist beinahe der Einzige, der die brennenden Stoffe im sozialen Umfeld wahrnimmt und die Widersprüche, mit denen wir leben, in szenische Konstellationen bindet.“ (Peter Iden)
„Ich halte Rolf Hochhuth für den geschichtsmächtigsten Autor unserer Generation.“ (Martin Walser)