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»Raubzüge des Erzählens« – »Ein Berg, viele« von Magdalena Schrefel uraufgeführt

01.10.2020 – Am 26. September wurde Ein Berg, viele von Magdalena Schrefel am Schauspiel Leipzig uraufgeführt (Regie: Pia Richter). 2020 wurde Magdalena Schrefel für das Stück mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatik sowie mit dem 3. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis ausgezeichnet, 2019 war es für den Heidelberger Stückepreis nominiert.

»Kann man die Welt erforschen, ohne sie zu erobern? Und was zeigt eine Karte, die aus dieser Erforschung entsteht – wirklich die Welt oder (nur) die subjektive Sicht darauf? Große Fragen, die die junge Autorin Magdalena Schrefel in Ein Berg, viele stellt und klug, aber undogmatisch beantwortet … Ein starkes Stück.« (Die deutsche Bühne)

»Die europäischen und postkolonialen Blicke auf Afrika – und der Blick eines moralisch-kritischen Zeitgeistes auf diese Blicke: An der Oberfläche bedient Ein Berg, viele einen sehr aktuellen Diskurs … Spannender aber ist das Stück unter einem anderen Aspekt: Dem auch selbstzweifelnden Suchen danach, was denn diese Abbild-Maschine Kunst überhaupt über ›die Wirklichkeit‹ aussagen kann … Die Travestie-hafte Künstlichkeit, mit der Ein Berg, viele auf die Bühne fand, ist in diesem Kontext auch als Symptom der Hilflosigkeit lesbar. Hier allerdings eine, die einnimmt.« (Leipziger Volkszeitung)

»Dass vor wenigen Wochen erst Bilder von verzweifelten Menschen im brennenden Lager Moria um die Welt gingen, konnte die Autorin nicht wissen, aber es zeigt die Aktualität ihres Stücks. Denn es ist entscheidend, wer der Erzähler ist und was erzählt werden soll und was nicht. Wer hat die Chance eine Kamera draufzuhalten und eine dramatische Geschichte daraus zu machen? Auch drei Jahrhunderte nach der Erfindung des Berges Kong sind es meistens weiße Menschen, deren Geschichten gehört werden.« (Nachtkritik)

Am 25. Oktober 2020 ist die Ursendung von Ein Berg, viele als Hörspiel im Bayerischen Rundfunk (Regie: Teresa Hörl).