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»Beschwingter Weltekel«: Sibylle Bergs »Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden« uraufgeführt

29.10.2020 – Am 24. Oktober wurde Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden von Sibylle Berg am Berliner Maxim Gorki Theater uraufgeführt (Regie: Sebastian Nübling), nach Und jetzt: die Welt! oder Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen, Und dann kam Mirna und Nach uns das All der letzte Teil von Bergs Stück-Serie.

»Obwohl heute überall getönt wird, dass Frauen endlich die gleichen Rechte wie Männer haben müssten, ist diese Forderung längst nicht durchgesetzt. Das findet und zeigt so wortmächtig wie effektvoll, so wütend wie lakonisch Sibylle Berg in ihrem neuen Stück … Ihre private wie allgemeine Abrechnung ist voller ‚unendlicher Traurigkeit‘, aber beschwingt und sinnlich und schön zum Ausdruck gebracht: famoses Theater mit existenziellem Dringlichkeitsfaktor.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Wie üblich bei Sibylle Berg funkelt der Text voller scharfzüngiger Bemerkungen und luzider Beobachtungen. Die Figur aus Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden ist die gealterte Version der girliehaft aufstampfenden jungen Frauen, die 2013 die Bühne des Maxim Gorki Theaters enterten und mehrere Preise abräumten.« (Das Kulturblog)

»Berg blickt darauf, was diese Welt den Menschen zumutet … Ihr neues Theaterstück unternimmt nicht weniger als eine finale Abrechnung mit so ziemlich allem. Mit dem sinnlosen Leben und dem noch sinnloseren Sterben, mit Cappuccino-Trinkerinnen, Pauschalurlaubern und der Fifa, mit den ‚Alten, die den Planeten ruiniert haben‘ und den Jungen, die den Marktwert der Alten kühl kalkulieren, zum Beispiel bei den Kosten eines Betts auf der Intensivstation … Hinter den Sarkasmen schimmert immer so etwas wie eine warmherzige Melancholie durch … Es geht ganz sicher nicht um eine sensible Charakterstudie, es geht eher um einen Frontalangriff. Und der ist bei aller Misanthropie ausgesprochen lässig, selbstironisch und überbordend.« (Süddeutsche Zeitung)

»Bergs Text ist wieder konsequent pessimistisch, in seinen Überzeichnungen und mit seinen popkulturellen Aneignungen, aber auch immer wieder sehr witzig.« (rbb24)

»Vier Frauen teilen sich den Text eines aufsplitternden Chores. Es spricht nicht nur eine Einzelne zu uns, schließlich geht es um Strukturprobleme der Ungleichbehandlung, um weibliche Rollenmuster in einer patriarchalen, ja neoliberalen Gesellschaft. Das klingt nicht zu Unrecht nach einer Standpauke. Aber trotz der Tiefschläge Sibylle Bergs gegen die Männerwelt – und erst recht trotz ihrer Schärfe und Rücksichtslosigkeit gegen die anpassungsfreudigen, pseudofeministischen, erfolgs- und konsumvergifteten Geschlechtsgenossinnen (was für ein Wort!) – machen diese Abende sehr viel Freude.« (Berliner Zeitung)

»Immer wieder ergeben sich starke, eindringliche Momente, zärtliche, sehnsüchtige Rückblicke, Dokumente eines schmerzhaften Scheiterns an inneren und äußeren Umständen. ‚Und dann fällt mir nicht ein, was ich hätte anders machen können‘, heißt es einmal wie nebenbei. Und das ist dann vielleicht der schlichteste, stärkste, wahrste Satz des Abends.« (Deutschlandfunk Kultur)