14​/01

Neu im Programm: »Entladungen« von Michel Simonot

14.01.2021 – Polizeigewalt, Racial Profiling und energiegeladene Aufstände stehen im Zentrum von  Michel Simonots Stück Entladungen: Ausgangspunkt ist der reale Falle von drei Jugendlichen, alle aus Migrantenfamilien, die auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformatorhäuschen Schutz suchen – zwei von ihnen sterben durch Stromschläge, einer überlebt schwer verletzt. Es folgen die gewaltsamen Ausschreitungen in den Pariser Banlieues 2005, das Land ist in Aufruhr. Erst zehn Jahre später wird den Polizisten der Prozess wegen unterlassener Hilfeleistung gemacht, an dessen Ende sie freigesprochen werden, obwohl Mitschnitte des Polizeifunks belegen, dass die Polizisten von dem Versteck der Jugendlichen wussten und trotz der Lebensgefahr, in der sie schwebten, nichts unternommen haben.

Das nüchterne Verhör der Polizisten vor Gericht, dokumentarisches Material, stellt Michel Simonot den fiktiven, oft chorisch sprechenden, anklagenden Stimmen der Jugendlichen gegenüber und schafft ein ebenso nachdenkliche wie verstörend-gegenwärtige Bestandsaufnahme zum angespannten Verhältnis zwischen Polizei und Menschen mit Migrationshintergrund, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Michel Simonot ist Regisseur, Soziologe und Autor zahlreicher Theaterstücke. Er veröffentlichte u. a. zahlreiche Beiträge über zeitgenössische Literatur und politische Ansätze in Theater und Kunst. Entladungen wurde mit dem Prix Collidram 2017 (Prix de littérature dramatique des collèges) ausgezeichnet und war Finalist für den Grand Prix de Littérature Dramatique 2018. Im selben Jahr wurde das Stück von France Culture als Hörspiel produziert.

Portrait von Michel Simonot

Vita

Stücke

alle Stücke…

Links