14​/01

Neu im Programm: »Anorexia Feelgood-Songs« von Fayer Koch

14.01.2021 – »Vielleicht muss es einfach erst richtig schlimm werden, bevor sich etwas ändert.«

Der Sound von Jugend und Sommerferien durchzieht Anorexia Feelgood-Songs von Fayer Koch, kraftvoll, rhythmisch und emotional: Die Jungs verbringen ihre Tage am Kanal, schwimmen, trinken Berentzen Maracuja, lachen, machen Mutproben, verschwenden ihre Zeit. Während aber die Sonne einen warmen Filter auf die Szenerie legt, wird einer der Jungs immer stiller, passt nicht mehr zur Unbeschwertheit der anderen. Und er wird dünner, blasser, schwächer. Erst kaum merkbar, dann immer deutlicher wird klar, dass er krank ist – und seine Krankheit einen Namen hat: Anorexia nervosa, Magersucht.

In ausdrucksstarken, lebendigen Momentaufnahmen und Sequenzen größter Sehnsucht und Einsamkeit öffnet sich der Blick auf einen jungen Mann, dessen Suche nach Anerkennung zu einer Rebellion gegen die Gesellschaft wird, deren stereotype Männerbilder einfach nicht zu ihm passen wollen. Behutsam, spielerisch und klar erzählt Fayer Koch von dem schwierigen Weg zu einem Bewusstsein für das eigene Ich. Er taucht ein in das komplexe Wechselspiel zwischen Innen- und Außenwahrnehmung und stellt die Frage, ob nicht jeder ein Recht auf den eigenen Körper hat – und wer definiert, was eigentlich schön ist?

Gewinnerstück bei den Tagen der jungen Dramatik am Staatstheater Braunschweig / Theater Magdeburg 2020.

Fayer Koch, 1989 geboren, studierte Linguistik in Potsdam und literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seine Gedichte und Kurzgeschichten wurden in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien gedruckt. Fayer Koch lebt in Leipzig.