26​/01

Wir trauern um Lars Norén

26.01.2021Lars Norén, der bedeutendste schwedische Gegenwartsdramatiker, ist im Alter von 76 Jahren in Stockholm an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.
Lars Norén wurde zunächst als Lyriker und Romanautor bekannt, ab den späten 1970er Jahren konzentrierte er sich allerdings zunehmend auf das Schreiben von Theaterstücken. 1983 wurde er in Schweden zum Dramatiker des Jahres gewählt; sein 1984 uraufgeführtes Stück Dämonen wurde zu einem Welterfolg. In Deutschland inszenierte Claus Peymann die Erstaufführung am Schauspielhaus Bochum.
In den folgenden Jahren durchlief Noréns Werk eine Vielzahl ästhetischer und inhaltlicher Wandlungen. Von den anfänglichen Ehe-, Beziehungs- und Familienstücken auf engstem Raum bis hin zu den großen Gesellschaftspanoramen – darunter Personenkreis 3.1, mit dessen deutschsprachiger Erstaufführung Thomas Ostermeier 2000 seine Intendanz an der Schaubühne Berlin begann –  war Norén stets ein scharfsichtiger, desillusionierter und zugleich mitfühlender Beobachter der Verwerfungen der Gegenwart.
Ab 1993 arbeitete Lars Norén auch zunehmend als Regisseur. Außerdem war er Intendant des Riksteatern Norsborg/Stockholm sowie bis 2011 künstlerischer Leiter des Folksteatern Göteborg. In den letzten Jahren veröffentlichte er neben weiteren Theaterstücken auch seine Tagebücher der letzten Jahrzehnte und verursachte damit einen Aufruhr in der schwedischen Kulturszene.
In Deutschland wurde zuletzt 2015 am Schauspiel Köln Noréns Stück 3.31.93. in der Regie von Moritz Sostmann erstaufgeführt. 2018 inszenierte Norén die Uraufführung seines Stücks Poussière (Staub) an der Pariser Comédie Française. In diesen Tagen sollte sein jüngstes Stück Etter Stillheten (Nach der Stille) am Nationaltheater Oslo zur Uraufführung kommen.
Unser Mitgefühl gilt Lars Noréns Angehörigen und allen, die sich ihm – wie wir – verbunden fühlen.

Portrait von Lars Norén

Vita

Stücke

alle Stücke…

Links