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Ein neues Stück von Elfriede Jelinek

29.04.2021Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!, das neue Stück von Elfriede Jelinek, hat – sobald es die aktuelle Situation zulässt – in der Regie von Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus Hamburg Uraufführung.

Aus der Pressemitteilung des Schauspielhauses:
»Lärm: das ist der Wortschwall an Nachrichten, Reden, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen, der uns im Zusammenhang mit der Covid-19- Pandemie täglich überflutet. Elfriede Jelinek spinnt aus dieser Kakophonie streitender Stimmen ein Netz bemerkenswerter Korrespondenzen, und auch Bilderwelten überlagern sich in diesem kalkuliert zwielichtigen Terrain: So überblendet Jelinek eine der berühmtesten Orgien der antiken Literatur, das Gelage bei der Zauberin Kirke, die Odysseus’ Gefährten in Schweine verwandelt, mit der Welt der Superspreader von Ischgl, die das Corona-Virus in ganz Europa verbreiteten. Immer wieder schlagen Schreckensbilder um in unverschämten Witz, ohne die ernsten Aspekte der Pandemie zu verraten. Denn wie eine schwarze Wolke lässt Jelinek über der Groteske das todbringende Environment einer Natur schweben, die der Mensch unaufhörlich schändet. Je wahnhafter das allgemeine Gerede über die erdrückenden Folgen dieser Hybris wird, desto drängender stellt sich die Frage: Gehen in dieser apokalyptischen Landschaft der Blinden und Tauben nicht alle Wahrheiten in einem freiwillig-unfreiwilligen Gelächter zu Bruch?«