Eriopis

Medeas überlebende Tochter erzählt alles
(Medeian selviytyjätytär kertoo kaiken)
Deutsch von Stefan Moster
Besetzung variabel

Im Nachtdunkel sieht Eriopis, wie Medea, ihre Mutter, mit ihren Lieblingshunden und Lieblingskindern verschwindet. In dieser Nacht geschieht das Unsagbare, und Eriopis bleibt allein zurück in der Einsamkeit des Nördlichen Nordens, das Restmädchen mit den Resthunden, die Verlassenen, die Nicht-Auserwählten. Ihr Vater Jason ist schon vor Jahren von hier fortgegangen und lebt in Helsinki als gefeierter Schauspieler im Fokus der Scheinwerfer. Zu ihm flüchtet sich Eriopis in ihrer Verzweiflung, doch sie steht ihm wie einem Fremden gegenüber, die Beziehung ist zerrissen, die Kommunikation erstarrt. In diesen intimsten Momenten voller Verlust, Orientierungslosigkeit und Gefühlsüberwältigung wird das Mädchen unerbittlich getrieben von den Stimmen der Boulevardpresse, die ihre Geschichte zu einem neuen Mythos machen wollen. Aber Eriopis, die nie Erwähnte, will nicht sprechen, will nicht in die Fußstapfen ihrer berühmten Eltern steigen – je greller das Blitzlichtgewitter, desto größer wird ihr Schweigen. Im Versuch, einen neuen Platz für sich in der Welt zu finden, pendelt sie zwischen schmerzerfüllten Erinnerungen, verstörenden Traumsequenzen und luziden Allmachtsfantasien – radikal, kämpferisch und unendlich verloren.

Mit erzählerischer Wucht und zerbrechlicher Zartheit taucht E. L. Karhu in die tiefe, dunkle Trauer ein, die der Mord an den Brüdern und der Verlust der Mutter hinterlässt, und schildert schonungslos die Verwirrungen des Erwachsenwerdens vor den Augen der Öffentlichkeit.

E.L. Karhu

E.L. Karhu

E.L. Karhu, 1982 in Helsinki geboren, arbeitet als Dramatikerin und Dramaturgin. Das thematische Interesse von ihren Stücken kreist vielfach um die Ethik menschlichen Handelns sowie um das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft. Die Autorin ...

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U: 06.03.2020 Schauspiel Leipzig (Regie: Anna-Sophie Mahler)