Radikale

Besetzung variabel

Die Stimmung ist katastrophisch: Euro-Krise, Stuttgart 21, Krieg in Afghanistan, Streiks im Nahverkehr – globale Erschütterungen hallen auf lokaler Ebene wider, Privates und Politisches vermischen sich, bis Unterschiede kaum mehr auszumachen sind. Das Resultat ist ein diffuses kollektives Unbehagen, eine leicht entflammbare Gemengelage, die in Ulrike Syhas neuem Stück wie in einem Druckluftkessel brodelt. Erstmals verzichtet Syha auf eine durchgehende Handlung und klar konturierte Charaktere; stattdessen zoomt sie auf Menschenansammlungen an Bushaltestellen oder in S-Bahnen, in Großraumbüros oder Fußgängerzonen und fischt aus der Masse Einzelstimmen heraus. Aufgeschnappte Dialogfetzen oder innere Monologe, die normalerweise ungehört bleiben, erzählen von gescheiterten Lebensentwürfen, Leistungsdruck und angestauter Aggression, trivialen Alltagssorgen und nackter Existenzangst. Wechselnd zwischen chorischen Passagen und leisen Soli, Momenten voller Tragik und abgründiger Komik, verdichtet sich Radikale zur «Symphonie einer Großstadt», die eine aus dem Takt geratene Gesellschaft zeigt und in der gleich mehrere Zeitbomben ticken.

Ulrike Syha

Ulrike Syha

Ulrike Syha, geboren 1976 in Wiesbaden, begann ihre Theaterarbeit 1995/1996 am Staatstheater Darmstadt, zuerst im Bereich Dramaturgie, dann als Regieassistentin.
Ab Winter 1996 studierte sie Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater ...

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U: 02.02.2012 Theater Chemnitz (Regie: Dieter Boyer)