Ode

Besetzung variabel

Wie frei ist die Kunst? Was kann, was darf, was muss sie sein? Ist sie »interesseloses Wohlgefallen« (Kant) oder politisches Vehikel, staatstragend oder subversiv, »safe space« oder gefährlich? Und wen interessieren diese Fragen überhaupt außer abgehobenen Eliten in weltfremden Theorie-Blasen, während auf den Straßen längst die »Wehr« patrouilliert, ein Zusammenschluss »verantwortungsvoller« Bürgerinnen und Bürger, die immer lauter Recht und Ordnung fordern, Verständlichkeit und Brauchtum statt Fremdheit und Ambivalenz?

Emotional aufgeladen prallen in Thomas Melles Stück die unterschiedlichsten Haltungen aufeinander. Die Privilegien weißer Westeuropäer treffen auf das Einklagen von ethnischer Diversität, Shitstorms werden losgetreten aufgrund einer verdächtigen Formulierung, das Nachdenken über Identität wächst sich zu identitären Bewegungen aus, strenge Grenzkontrollen durchziehen den Diskurs, als teilten sie verfeindete Nationalstaaten.
Nur scheinbar verhandelt Ode die hochgereizten, hypernervösen Debatten des Kunstbetriebes, denn schnell wird klar, dass Kunst keineswegs ein Neben-, sondern der Hauptschauplatz ist, das Herzstück unserer demokratischen Gesellschaft, deren Grundsätze und Werte offenbar plötzlich zur Disposition stehen.

Thomas Melle

Thomas Melle

Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. 2004 debütierte er mit 4 Millionen Türen (entstanden zusammen mit Martin Heckmanns) als Dramatiker, 2005 ...

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U: 20.12.2019 Deutsches Theater Berlin (Regie: Lilja Rupprecht)